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Montag, 21. Juni 2010
Peace, Honey Bunny. Make Love, Not War.
je ne sais pas, 15:36h
Tatsächlich bin ich jetzt schon wieder seit ein paar Tagen in Schland und wir wollen jetzt auch gar nicht mal melancholisch werden. Vor allem deswegen nicht, weil „Melancholia“ laut meinem liebsten Wikipedia „schwarze Galle“ bedeutet.
Der Ekelfaktor dieser zwei Worte führt mich auch eigentlich schon zu einem nicht sooo schönen Moment meines gestrigen Abendprogramms. Ich bin jetzt also wieder in der Bundesrepublik Deutschland und konnte endlich meinen Hunger stillen, nachdem ich es in England satt hatte mich von Mensaessen zu ernähren und der Subway Mitarbeiter mich schon viel zu genau kannte, habe allerdings mein Bedürfnis nach deutschem Fernsehen noch nicht ausreichend befriedigt.
Ich habe schon halbherzig irgendwelche Fußballspiele verfolgt und Serbien vorerst von meiner Europareiseländerliste gestrichen, aber gestern!- gestern wollte ich mir so richtig von den asozialen Kindern bis zu den billigen Moderatorenwitzen und dramatischen Telenovelas alles reinziehen.
Was bekomme ich zu sehen? Rinderhoden in der Küche. Mmmh. Was Fernsehen betrifft bin ich ohnehin peinlichst empfindlich, breche bei nur halbgar emotionalen Szenen in Tränen aus und muss bei blutigen Ärzteserien zufällig gerade meine Nase Pudern gehen. Ich weiß, heute sind alle Kinder schon hardcore unempfindlich, gucken beim ersten Date Saw eins bis siebenundzwanzig, schicken mit Begeisterung Videos wie Leute abgeschlachtet werden rum, etc. pp., aber ich kann das gar nicht ab, vor allem keine zerstückelten Hoden in der Pfanne, nachdem ich beim Joggen am Hafen Schwärme von Eintagsfliegen verschluckt habe.
Immerhin ist es noch nicht so weit gekommen, dass ich like a complete twat GAR nicht fernsehe. Haha, ich bin mir sicher, dass es hier auch einige solcher Kandidaten gibt, die bei jeder Gelegenheit erzählen, dass sie dieses Schrott Fernsehen von heute nicht sehen und wenn überhaupt Arte oder mal alle zweieinhalb Wochen eine der seltenen interessanten Reportagen über das Paarungsverhalten von Krokodilen oder die politische Entwicklung sonst wo.
Das erstaunliche ist ja, dass es so erstaunlich viele Menschen dieser Sorte gibt, wie mir scheint. Jedes Mal, wenn ich die TV total TV Tipps zum Wochenende sehe (denn mein überaus geliebtes TV total ist die einzige Sendung, die ich in UK empfangen kann), ist mindesten ein so ein Vogel dabei, der mit diesem gewissen typischen Klang in der Stimme erklärt, wie scheiße das Programm von heute doch ist. Und auch bei meiner verzweifelten Google Suche nach der deutschen Supernanny in England in etlichen Onlinefrageportalen zum Thema Fernsehen ist mir aufgefallen, dass immer einer ganz revolutionär seine intellektuelle Meinung abgeben muss.
Meine Lieben, und jetzt erkläre mir bitte einer, WAS diese Leute machen. Weil wenn man wirklich so gut wie ALLE deutschen Sender so grauenhaft findet, dass man sich keinen Fernseher anschafft, bedeutet das ja eigentlich, dass man viele der dort besprochenen Themen missbilligt. Daraus wiederum lässt sich schließen, dass diese guten Menschen ihre Zeit ausschließlich hochwertig verbringen, in Literaturcafés und Diskussionsrunden, auf Demonstrationen, mit dem spielen von außergewöhnlichen Instrumenten und Naturtrips durch den Wald machen mit nichts als dem gegebenen, seinem intellektuellen Geist, einer Gänsefeder, Tinte und selbstgemachtem Papier, um minimalistisch tiefgründige Verse zu verfassen. Und natürlich Online, um mit diesem leicht arrogant verbitterten Tonfall ihre Kritik zu verkünden.
Sachus interessantus, aber noch geiler sind ja wohl mal RTL und die Kollegen. Sicherlich sind die Erderwärmung und sich bekriegende Völker Drama genug, aber man darf nicht ALLES und vor allem sich selber nicht zu Ernst nehmen. Wenn man es nicht schafft, mit einem kleinen Lächeln die Dinge ein bisschen ins Lächerliche zu ziehen, dann könnte man sich ja den ganzen Tag quälen. Also Schalt das Ding an und sei mal ein bisschen asi ^^
Der Ekelfaktor dieser zwei Worte führt mich auch eigentlich schon zu einem nicht sooo schönen Moment meines gestrigen Abendprogramms. Ich bin jetzt also wieder in der Bundesrepublik Deutschland und konnte endlich meinen Hunger stillen, nachdem ich es in England satt hatte mich von Mensaessen zu ernähren und der Subway Mitarbeiter mich schon viel zu genau kannte, habe allerdings mein Bedürfnis nach deutschem Fernsehen noch nicht ausreichend befriedigt.
Ich habe schon halbherzig irgendwelche Fußballspiele verfolgt und Serbien vorerst von meiner Europareiseländerliste gestrichen, aber gestern!- gestern wollte ich mir so richtig von den asozialen Kindern bis zu den billigen Moderatorenwitzen und dramatischen Telenovelas alles reinziehen.
Was bekomme ich zu sehen? Rinderhoden in der Küche. Mmmh. Was Fernsehen betrifft bin ich ohnehin peinlichst empfindlich, breche bei nur halbgar emotionalen Szenen in Tränen aus und muss bei blutigen Ärzteserien zufällig gerade meine Nase Pudern gehen. Ich weiß, heute sind alle Kinder schon hardcore unempfindlich, gucken beim ersten Date Saw eins bis siebenundzwanzig, schicken mit Begeisterung Videos wie Leute abgeschlachtet werden rum, etc. pp., aber ich kann das gar nicht ab, vor allem keine zerstückelten Hoden in der Pfanne, nachdem ich beim Joggen am Hafen Schwärme von Eintagsfliegen verschluckt habe.
Immerhin ist es noch nicht so weit gekommen, dass ich like a complete twat GAR nicht fernsehe. Haha, ich bin mir sicher, dass es hier auch einige solcher Kandidaten gibt, die bei jeder Gelegenheit erzählen, dass sie dieses Schrott Fernsehen von heute nicht sehen und wenn überhaupt Arte oder mal alle zweieinhalb Wochen eine der seltenen interessanten Reportagen über das Paarungsverhalten von Krokodilen oder die politische Entwicklung sonst wo.
Das erstaunliche ist ja, dass es so erstaunlich viele Menschen dieser Sorte gibt, wie mir scheint. Jedes Mal, wenn ich die TV total TV Tipps zum Wochenende sehe (denn mein überaus geliebtes TV total ist die einzige Sendung, die ich in UK empfangen kann), ist mindesten ein so ein Vogel dabei, der mit diesem gewissen typischen Klang in der Stimme erklärt, wie scheiße das Programm von heute doch ist. Und auch bei meiner verzweifelten Google Suche nach der deutschen Supernanny in England in etlichen Onlinefrageportalen zum Thema Fernsehen ist mir aufgefallen, dass immer einer ganz revolutionär seine intellektuelle Meinung abgeben muss.
Meine Lieben, und jetzt erkläre mir bitte einer, WAS diese Leute machen. Weil wenn man wirklich so gut wie ALLE deutschen Sender so grauenhaft findet, dass man sich keinen Fernseher anschafft, bedeutet das ja eigentlich, dass man viele der dort besprochenen Themen missbilligt. Daraus wiederum lässt sich schließen, dass diese guten Menschen ihre Zeit ausschließlich hochwertig verbringen, in Literaturcafés und Diskussionsrunden, auf Demonstrationen, mit dem spielen von außergewöhnlichen Instrumenten und Naturtrips durch den Wald machen mit nichts als dem gegebenen, seinem intellektuellen Geist, einer Gänsefeder, Tinte und selbstgemachtem Papier, um minimalistisch tiefgründige Verse zu verfassen. Und natürlich Online, um mit diesem leicht arrogant verbitterten Tonfall ihre Kritik zu verkünden.
Sachus interessantus, aber noch geiler sind ja wohl mal RTL und die Kollegen. Sicherlich sind die Erderwärmung und sich bekriegende Völker Drama genug, aber man darf nicht ALLES und vor allem sich selber nicht zu Ernst nehmen. Wenn man es nicht schafft, mit einem kleinen Lächeln die Dinge ein bisschen ins Lächerliche zu ziehen, dann könnte man sich ja den ganzen Tag quälen. Also Schalt das Ding an und sei mal ein bisschen asi ^^
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Sonntag, 13. Juni 2010
„Die Zeit fährt Auto, doch kein Mensch kann lenken.“ zweiter Teil.
je ne sais pas, 00:44h
Schwör sogar, Aller, deine Mudda hat Lippenstift für dich, schoss es ihr, geblendet von dem ultimativen Bling-Bling der Kapuzenjacke des Eistee Besitzers, durch den Kopf. Sie schüttelte den Kopf und verneinte ganz höflich. Er schien enttäuscht, ließ sich von diesem erschütternden Schicksal aber nicht aus der Fassung bringen. „Wirklich nicht?“, fragte er misstrauisch. Irgendwo zwischen vor Mitgefühl gebrochenem Herzen und einem Lachflasch konnte sie wieder nur die Aussichtslosigkeit der Situation mit einem Nein verstärken.
„Schade. Darf ich?“, fragte er und zeigte auf den Sitz ihr gegenüber. An diesem unspektakulären Morgen gestattete sie es ihm.
„Ich brauch nämlich Lippenstift für meinen Job. In Frankfurt.“
Sie nickte. „Ah. Was für ein Job denn?“
In der süßesten Art und Weise, die ein halbseidener Kerl zustande bringen kann, blickte er sich kurz um, lehnte sich ein Stück vor und sagte in einem bedeutungs- und geheimnisvollen, vielleicht ein kleines bisschen beschämten Tonfall, der ihr das Gefühl gab, in etwas ganz besonderes eingeweiht zu werden: „Ich geh anschaffen“.
„Ah.“, wiederholte sie und lächelte ihn an. „Tut mir Leid, ich hab wirklich keinen Lippenstift“.
Der kleine Verfolgungswahn kam wieder angezwitschert und sie überlegte, ob sie für einen versteckte Kamera Streich auserwählt worden war oder es diesem Mann bloß schrecklich Langweilig/ein Genuss war, unschuldige junge Damen zu verarschen. Sie hielt es dennoch für die beste Idee ihm nicht lautstark seine Homosexualität vorzuwerfen und sich aufrichtig mit seinen Worten zu befassen. Die Gelegenheit bot sich zu ihrer Begeisterung schon schnell, als er anfing zu plappern, damit die stille awkwardness aus dem Weg schob, aber Stoff für neue aufbrachte. Erstaunlicherweise blieb jegliche Verlegenheit jedoch aus, als er von seiner kommenden Geschlechtsumwandlung berichtete. Es war authentisch und ehrlich und es war ihr egal, dass sie noch nicht ganz von der Glaubwürdigkeit überzeugt war. Sie fragte sich, ob er gut verdiente oder einen Sponsor hatte, wie lange er sich nach der Operation würde erholen müssen, ob er seinem Beruf weiter nachgehen würde und auf welches Geschlecht genau seine Kunden abfuhren. Dann fiel ihr ein, dass das ganze doch eigentlich eher ein längerer Prozess ist und musterte ihn von den Barthaaren bis zur engen Jeansjacke.
„Ich hab Angst, dass was schief geht“, fuhr er fort und sie beruhigte ihn damit, dass der Arzt das ja nicht zum ersten Mal machte.
Dann, wie um ihre Zweifel vollkommen aus dem Weg zu räumen, holte er einen noch verpackten Kalender mit einem weisen/ach so amüsanten Spruch über Frauen auf jedem Kalenderblatt hervor. Er erklärte, dass er sich mehr über Frauen und ihre Lebensweisen informieren wolle und bat sie die Plastikfolie, die seinen Schlüssel zur Weiblichkeit noch im Griff hielt, zu entfernen, da es ihm mit seinen doch recht gepflegten aber kurzen Nägeln nicht gelang.
Als die Schutzfolie im kleinen Bahn Mülleimer landete, entwickelte sich das Gespräch ganz blendend. Sie sprachen über den Kalender und das Leben, es war eine bittersüße Bahnfahrt.
„Schade. Darf ich?“, fragte er und zeigte auf den Sitz ihr gegenüber. An diesem unspektakulären Morgen gestattete sie es ihm.
„Ich brauch nämlich Lippenstift für meinen Job. In Frankfurt.“
Sie nickte. „Ah. Was für ein Job denn?“
In der süßesten Art und Weise, die ein halbseidener Kerl zustande bringen kann, blickte er sich kurz um, lehnte sich ein Stück vor und sagte in einem bedeutungs- und geheimnisvollen, vielleicht ein kleines bisschen beschämten Tonfall, der ihr das Gefühl gab, in etwas ganz besonderes eingeweiht zu werden: „Ich geh anschaffen“.
„Ah.“, wiederholte sie und lächelte ihn an. „Tut mir Leid, ich hab wirklich keinen Lippenstift“.
Der kleine Verfolgungswahn kam wieder angezwitschert und sie überlegte, ob sie für einen versteckte Kamera Streich auserwählt worden war oder es diesem Mann bloß schrecklich Langweilig/ein Genuss war, unschuldige junge Damen zu verarschen. Sie hielt es dennoch für die beste Idee ihm nicht lautstark seine Homosexualität vorzuwerfen und sich aufrichtig mit seinen Worten zu befassen. Die Gelegenheit bot sich zu ihrer Begeisterung schon schnell, als er anfing zu plappern, damit die stille awkwardness aus dem Weg schob, aber Stoff für neue aufbrachte. Erstaunlicherweise blieb jegliche Verlegenheit jedoch aus, als er von seiner kommenden Geschlechtsumwandlung berichtete. Es war authentisch und ehrlich und es war ihr egal, dass sie noch nicht ganz von der Glaubwürdigkeit überzeugt war. Sie fragte sich, ob er gut verdiente oder einen Sponsor hatte, wie lange er sich nach der Operation würde erholen müssen, ob er seinem Beruf weiter nachgehen würde und auf welches Geschlecht genau seine Kunden abfuhren. Dann fiel ihr ein, dass das ganze doch eigentlich eher ein längerer Prozess ist und musterte ihn von den Barthaaren bis zur engen Jeansjacke.
„Ich hab Angst, dass was schief geht“, fuhr er fort und sie beruhigte ihn damit, dass der Arzt das ja nicht zum ersten Mal machte.
Dann, wie um ihre Zweifel vollkommen aus dem Weg zu räumen, holte er einen noch verpackten Kalender mit einem weisen/ach so amüsanten Spruch über Frauen auf jedem Kalenderblatt hervor. Er erklärte, dass er sich mehr über Frauen und ihre Lebensweisen informieren wolle und bat sie die Plastikfolie, die seinen Schlüssel zur Weiblichkeit noch im Griff hielt, zu entfernen, da es ihm mit seinen doch recht gepflegten aber kurzen Nägeln nicht gelang.
Als die Schutzfolie im kleinen Bahn Mülleimer landete, entwickelte sich das Gespräch ganz blendend. Sie sprachen über den Kalender und das Leben, es war eine bittersüße Bahnfahrt.
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Mittwoch, 9. Juni 2010
„Die Zeit fährt Auto, doch kein Mensch kann lenken.“
je ne sais pas, 23:51h
Es war kurz vor halb acht an einem kühlen, düsteren Morgen unbestimmten Monats. Von einem zarten Anflug von Paranoia getrieben, blickte sie über ihre rechte Schulter hinter sich.
Sie hatte sich einmal sagen lassen, dass eine ausgewogene Menge an unausgeprägteren Geisteskrankheiten gesund war. Darüber dachte sie nach, als sie ihren Blick über viele graue Menschen schweifen ließ, sah aber keinen Anzug und Turnschuh tragenden Mann, worüber sie sehr erleichtert war.
Kaum ein Augenblinzeln später drehte sie sich wieder nach vorne und atmete begierig die schwere Luft, die die Raucherecke umnebelte, ein. Mit gerunzelter Stirn und einem schweren Schlucken musste sie sich daraufhin bemühen, nicht mitten auf den Bahnsteig zu kotzen. In ihrem Kopf formten sich Bilder von fetten, grauen Tauben, die an vorgekauten Stückchen im Übergebenen rumpicken und mit einem leisen Lächeln auf den roten Lippen dachte sie sich dazu, dass ein solches Bild in der Kunstszene garantiert gut ankommen würde.
Den Rauch noch in der Nase und die Gedanken schon längst wieder bei der nächst interessanten Sache, stieg sie in die S-Bahn und setzte sich. Das Blau des Sitzes fühlte sich warm an und sie blickte aus dem unbesprühten Fenster direkt auf ein 2 L Eistee Tetrapak, das ihrer Meinung nach ein schwerwiegendes Symbol der heutigen Gesellschaft war. Ihr Herz machte einen kleinen Satz, als sie von dem Eistee inspiriert an Fotos dachte, die vor dem Spiegel gemacht wurden und auf denen man nicht nur den Blitz sieht, sondern auch die Dusche/Vaginalcreme im Hintergrund sowie den unausgesprochen laut geschrieenen Satz „hallo, ich zeige Leuten gerne, dass ich das größte Opfer von allen bin, die ich jemals so bezeichnet habe, weil das ein schlagendes Argument ist, und ein Bild das beweist, dass man Mangel an Freunden, Natürlichkeit und vielseitiger Kreativität hat, finde ich cool, vor allem, weil jeder weiß, dass der erste Eindruck am besten ist, wenn man ihn durch einen durchsichtig blauen Toilettendeckel mit Fischen drauf bestärkt oder seinem asozialen mainstream DSDS Handy, auf dem Hamster Klingeltöne und Bilder von großen Titten sind.“
Hektisch kramte sie in ihrer Tasche, bis sie das zartgrüne Clinique Puderdöschen fand und sich im Spiegel begutachtete. Sie puderte ihr Gesicht ab und warf einen kurzen Blick auf den Mann, der ihr gegenüber an der Tür stand und sie womöglich anguckte. „Leicht schwuchtelig“ dachte sie sich nach intensiven Gedanken über sein Image, das sich von gutaussehend bis Migrationshintergrund bis bildungsferne Schicht bis homo unbestimmten Bildungswesens entwickelte.
Währenddessen liefen Geschäftsfrauen und Bürohengste in seriösen Anzügen an ihr vorbei, hohe Absätze und verboten unansehnliche Schuhe. Wieder schweifte ihr Blick nach draußen in die graue Bahnhofshalle, über den imaginären Rauch der imaginären Lokomotive, durch den sich elegante Menschen mit rollenlosen Koffern drängten, über das leuchtend Rote Schild des verführerischen Cafés mit dem französisch angehauchten Namen, über die Gleise, Bänke, Informationsschilder und Tauben mit schweren Knochen.
Als sie ihre Aufmerksamkeit wieder ihrem Gesicht und der Puderdose widmete, stand er plötzlich vor ihr. Schnell klappte sie die Dose wieder zu und guckte ihn über seine Jeansjacke hinweg mit einem kleinen Lächeln an, um seine Frage entgegenzunehmen.
„Hast du vielleicht Lippenstift für mich?“, fragte er.
Sie hatte sich einmal sagen lassen, dass eine ausgewogene Menge an unausgeprägteren Geisteskrankheiten gesund war. Darüber dachte sie nach, als sie ihren Blick über viele graue Menschen schweifen ließ, sah aber keinen Anzug und Turnschuh tragenden Mann, worüber sie sehr erleichtert war.
Kaum ein Augenblinzeln später drehte sie sich wieder nach vorne und atmete begierig die schwere Luft, die die Raucherecke umnebelte, ein. Mit gerunzelter Stirn und einem schweren Schlucken musste sie sich daraufhin bemühen, nicht mitten auf den Bahnsteig zu kotzen. In ihrem Kopf formten sich Bilder von fetten, grauen Tauben, die an vorgekauten Stückchen im Übergebenen rumpicken und mit einem leisen Lächeln auf den roten Lippen dachte sie sich dazu, dass ein solches Bild in der Kunstszene garantiert gut ankommen würde.
Den Rauch noch in der Nase und die Gedanken schon längst wieder bei der nächst interessanten Sache, stieg sie in die S-Bahn und setzte sich. Das Blau des Sitzes fühlte sich warm an und sie blickte aus dem unbesprühten Fenster direkt auf ein 2 L Eistee Tetrapak, das ihrer Meinung nach ein schwerwiegendes Symbol der heutigen Gesellschaft war. Ihr Herz machte einen kleinen Satz, als sie von dem Eistee inspiriert an Fotos dachte, die vor dem Spiegel gemacht wurden und auf denen man nicht nur den Blitz sieht, sondern auch die Dusche/Vaginalcreme im Hintergrund sowie den unausgesprochen laut geschrieenen Satz „hallo, ich zeige Leuten gerne, dass ich das größte Opfer von allen bin, die ich jemals so bezeichnet habe, weil das ein schlagendes Argument ist, und ein Bild das beweist, dass man Mangel an Freunden, Natürlichkeit und vielseitiger Kreativität hat, finde ich cool, vor allem, weil jeder weiß, dass der erste Eindruck am besten ist, wenn man ihn durch einen durchsichtig blauen Toilettendeckel mit Fischen drauf bestärkt oder seinem asozialen mainstream DSDS Handy, auf dem Hamster Klingeltöne und Bilder von großen Titten sind.“
Hektisch kramte sie in ihrer Tasche, bis sie das zartgrüne Clinique Puderdöschen fand und sich im Spiegel begutachtete. Sie puderte ihr Gesicht ab und warf einen kurzen Blick auf den Mann, der ihr gegenüber an der Tür stand und sie womöglich anguckte. „Leicht schwuchtelig“ dachte sie sich nach intensiven Gedanken über sein Image, das sich von gutaussehend bis Migrationshintergrund bis bildungsferne Schicht bis homo unbestimmten Bildungswesens entwickelte.
Währenddessen liefen Geschäftsfrauen und Bürohengste in seriösen Anzügen an ihr vorbei, hohe Absätze und verboten unansehnliche Schuhe. Wieder schweifte ihr Blick nach draußen in die graue Bahnhofshalle, über den imaginären Rauch der imaginären Lokomotive, durch den sich elegante Menschen mit rollenlosen Koffern drängten, über das leuchtend Rote Schild des verführerischen Cafés mit dem französisch angehauchten Namen, über die Gleise, Bänke, Informationsschilder und Tauben mit schweren Knochen.
Als sie ihre Aufmerksamkeit wieder ihrem Gesicht und der Puderdose widmete, stand er plötzlich vor ihr. Schnell klappte sie die Dose wieder zu und guckte ihn über seine Jeansjacke hinweg mit einem kleinen Lächeln an, um seine Frage entgegenzunehmen.
„Hast du vielleicht Lippenstift für mich?“, fragte er.
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