Dienstag, 8. Juni 2010
Come On Baby, Light My Fire
Nicht lange nachdem ich meinen letzten Blogeintrag all meinen Fans und anderen begierigen, mit verhaltenem Atem wartenden Lesern zum faszinierten Verschlingen dargeboten hatte, wurde ich von dem Feueralarm aus meinen süßen Gedanken gerissen. Nach unzähligen Fehlalarmen, die in fast allen Fällen ungünstigerweise mitten in der Nacht von irgendwelchen Vollstronzos (Stronzen? Haha) ausgelöst wurden, denke ich jetzt daran mir Schuhe anzuziehen und mich ausreichend zu bekleiden, da ich die ersten Male immer filmreif aus dem Bett gefallen und halbnackt und barfuß aus dem Zimmer gestürzt bin. Natürlich gibt es dann zur Kompensation des leichten Schamgefühls/Kälte/Ekels (Wenn man mit nackten Füßen durch das von Saufgelagen und dem englischen Wetter + Rasen + Wellington Boots gezeichnete Treppenhaus läuft) die Träger von peinlichen Schlafanzügen und Gurkenmasken. Oder auch den süßen Frischling, der es, an die Brust der burschikos-mütterlichen Flurmitbewohnerin gedrückt, plötzlich bereut einen ganzen Pint Cider getrunken zu haben.
Um auf den doch recht ohrenbetäubenden „Feuer“warnklingelton an sich zurückzukommen- Ich gehe eigentlich nicht davon aus, dass die Herrschaften, die für das Auslösen des Alarms zuständig sind, das böswillig meinen. Denn es liegt in der Natur des Engländers, besessen von dem Thema Feuer zu sein. Sollten Sie gerade Bilder von um ein Lagerfeuer sitzende Inselaffen, die ihre Earl Grey beinhaltenden Porzellantassen davor aufwärmen, vor Augen haben, dürfen Sie das wieder vergessen. Es ist bloß so, dass die Briten sehr bemüht um die Sicherheit sind, die von leichtsinnigen, Synthetikkleidchen tragenden, rauchenden Studentinnen in Gefahr gebracht werden könnte. Was ich auch gar nicht kritisiere, abgesehen davon, dass manche Retro-verliebte Mädchen ja nichts dafür können, dass wir nicht mehr in den 60ern Leben und die sinnlich-französische mit-Freunden-auf-dem-Bett-liegen-an-die-Decke-gucken-rauchen-lachen-philosophieren-und-eventuell-einschlafen-und-das-zuckerwatterosane-Secondhandkleid-ankokeln-Nummer nicht mehr erlaubt ist. Wie auch immer, in meinen nicht französischen Momenten bin ich höchst erfreut darüber, in einer verantwortungsvollen und sicheren Umgebung zu leben. Und nehme dafür auch den „Fire-Test“ in Kauf, der bestanden werden muss, um auch weiterhin im Studentenwohnheim residieren zu dürfen und das Seminar über brenzlige Situationen, in dem man lernt, dass man nicht zu viel Haarspray verwenden sollte, um den hochsensiblen Feuermelder nicht zu reizen.

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Sonntag, 6. Juni 2010
Britification
Ich meine zu zerfließen. Die Hitze ist, auch in der Nacht, nach langen Wanderungen über den Campus, fast unerträglich und außerdem untragbar, denn ich musste mit Schrecken feststellen, dass sich in meinem Kleiderschrank keine kurzen Hosen befinden. Andererseits sehe ich anhand meines Teints gemessen wie der totale Twilight Fan aus und ich präferiere es ohnehin meine Kleider mit Strumpfhosen zu kombinieren. Ich liebe den ganzen wannabe-Indie Strumpfhosen Look. Wahrscheinlich marschieren meine geliebten blickdichten/gemusterten Modelle schon längst wieder aus der aktuellen Modewelt hinaus, aber ich finde sie nach wie vor ganz hinreißend.
Erst kürzlich habe ich die Themenkombination Kleidung-Psychologie auserwählt, um darüber einen gefühlten 17 Milliarden Wort Aufsatz zu verfassen. Zwischenzeitlich habe ich die Wahl ziemlich bereut, da das Thema eine in Wikipedia vollkommen unzureichend diskutierte Angelegenheit ist, wie ich meine. Ich bete, dass das ganze dennoch gelungen ist. Auf Englisch, by the way, da ich mich in UK weiterbilde, was very inspiring indeed ist.

Vielleicht liegt es daran, dass Londons herrlichste Einkaufsstraßen ganz in der Nähe sind, aber selbst einem Hetero lässt es beim Anblick seiner Geschlechtsgenossen Schmetterlinge durch den Körper schwirren.
Entzückt schlägt das Herz eines deutschen Mädchens, wenn sie zum ersten Mal das Englische Einkaufszentrum betritt. Selbst H&M hat hier eine Auswahl, die auf einer ganz anderen Ebene stattfindet, sehr bellissima.
Alles hier ist blumiger, vintage, klassisch-unschuldig und dirty- so wie wenn jemand auf französisch flucht. Man kriegt Wodka Shots aus niedlichen Backsteinhausvorgärten serviert und zu viel nackte Haut wird durch a posh accent kaschiert. Die Kerle tragen gemusterte Strickpullover, Hautenge Jeans und spitz zulaufende, sehr smarte Schuhe, wobei sie absolut yummy, funky, London aussehen.

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Freitag, 4. Juni 2010
Hasta la Vista Realität, ich bin die Satire und schneller als du.
Die Studentin, die in ihrer Bewerbung erklärt „Ich bin ein Punk. Na und?“ und damit solche Begeisterung über diese Unkonventionalität auslöst, dass sie nur zu gerne angenommen wird.
Die dicken, unattraktiven Sänger, die uns trotz allem mit ihrer Stimme bezaubern.
Der Schüler, der den Aufsatz mit der Aufforderung zu erklären was Dreistigkeit ist, mit „Das ist dreist“ beantwortet und volle Punktzahl einkassiert.
Die Herren aus dem Ghetto, die so viel Scheiße erlebt haben, aber deren Liebe zur Musik ungetrübt ist, die sich daraufhin Notenschlüssel auf den Arm tätowieren lassen und ihre Mama lieben, dennoch so hardcore abgebrüht sind, dass sie tiefgründige, urbane, von schwarzem Humor gezeichnete Poesie fabrizieren.
Grundsätzlich behauptet doch jeder zweite Prominente als Kind ein Außenseiter gewesen und gemobbt worden zu sein.
Und das führt dann zu dem Zustand, den wir heute haben. Es ist in out zu sein. Mit einer regelrechten Verzweiflung versuchen wir einzigartig und besonders zu sein und müssen damit zu immer krasseren Methoden greifen. Aber die krassen Methoden wurden schon angewandt; es gibt schon die Sängerin mit dem funkensprühenden BH, die es sich neben der halb abgebrannten Leiche ihres Ex-Lovers bequem macht. Es gibt schon den heillosen Romantiker, der, um seiner Liebsten seine einmaligen Gefühle zu beweisen, einen Berg Spaghetti Bolognese auf seinem halbnackten Körper verteilt und sie dann bittet es wie ein Schwein ohne Besteck von ihm runter zu essen.
Und, ganz ehrlich, das sind noch die harmlosen Beispiele. Die fernsehtauglichen, weil wir heute alle Ghetto Gangstas sind, die die gemeine Welt wie sie ist ertragen.
Genau genommen haben wir den „out ist in“ Status schon wieder überschritten, des Wahnsinns dreht sich die Welt weiter und wir hängen zwischen dem Irren Wunsch nach Exklusivität und anderen harmloseren menschlichen Bedürfnissen.
Jetzt haben wir Lena, die ja wieder so Back To Nature ist und Lady Gaga und ihre zahllosen Billigkopien, die so Over The Tops bzw. eigentlich jetzt im normalen Bereich sind, dass sie sich und uns krank machen.
Irgendwie leiden wir alle jetzt schon an einer Art Quarter Life Crisis und Ich-Dissoziation, wobei das Ich noch gar nicht mal entwickelt war.

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