Freitag, 4. Juni 2010
Hasta la Vista Realität, ich bin die Satire und schneller als du.
Die Studentin, die in ihrer Bewerbung erklärt „Ich bin ein Punk. Na und?“ und damit solche Begeisterung über diese Unkonventionalität auslöst, dass sie nur zu gerne angenommen wird.
Die dicken, unattraktiven Sänger, die uns trotz allem mit ihrer Stimme bezaubern.
Der Schüler, der den Aufsatz mit der Aufforderung zu erklären was Dreistigkeit ist, mit „Das ist dreist“ beantwortet und volle Punktzahl einkassiert.
Die Herren aus dem Ghetto, die so viel Scheiße erlebt haben, aber deren Liebe zur Musik ungetrübt ist, die sich daraufhin Notenschlüssel auf den Arm tätowieren lassen und ihre Mama lieben, dennoch so hardcore abgebrüht sind, dass sie tiefgründige, urbane, von schwarzem Humor gezeichnete Poesie fabrizieren.
Grundsätzlich behauptet doch jeder zweite Prominente als Kind ein Außenseiter gewesen und gemobbt worden zu sein.
Und das führt dann zu dem Zustand, den wir heute haben. Es ist in out zu sein. Mit einer regelrechten Verzweiflung versuchen wir einzigartig und besonders zu sein und müssen damit zu immer krasseren Methoden greifen. Aber die krassen Methoden wurden schon angewandt; es gibt schon die Sängerin mit dem funkensprühenden BH, die es sich neben der halb abgebrannten Leiche ihres Ex-Lovers bequem macht. Es gibt schon den heillosen Romantiker, der, um seiner Liebsten seine einmaligen Gefühle zu beweisen, einen Berg Spaghetti Bolognese auf seinem halbnackten Körper verteilt und sie dann bittet es wie ein Schwein ohne Besteck von ihm runter zu essen.
Und, ganz ehrlich, das sind noch die harmlosen Beispiele. Die fernsehtauglichen, weil wir heute alle Ghetto Gangstas sind, die die gemeine Welt wie sie ist ertragen.
Genau genommen haben wir den „out ist in“ Status schon wieder überschritten, des Wahnsinns dreht sich die Welt weiter und wir hängen zwischen dem Irren Wunsch nach Exklusivität und anderen harmloseren menschlichen Bedürfnissen.
Jetzt haben wir Lena, die ja wieder so Back To Nature ist und Lady Gaga und ihre zahllosen Billigkopien, die so Over The Tops bzw. eigentlich jetzt im normalen Bereich sind, dass sie sich und uns krank machen.
Irgendwie leiden wir alle jetzt schon an einer Art Quarter Life Crisis und Ich-Dissoziation, wobei das Ich noch gar nicht mal entwickelt war.

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