Sonntag, 1. August 2010
I. How many Camels?
Im Flugzeug friere ich. Zum Glück habe ich nicht vor lauter Vorfreude vergessen eine Jacke mitzunehmen, außerdem liegt im Flugzeug für alle Klimaanlageunerfahrenen Touristen eine dunkelblaue Decke bereit.
Das Flugzeuginnere ist optisch angenehm genug, um nicht panisch vor dem Flugstart „Egypt Air“ googlen zu müssen und sich über die Anzahl der abgestürzten Maschinen zu erkunden. Auf den zweiten Blick sagt mir die Atmosphäre sogar noch mehr zu, die Innenausstattung ist orientalisch angehaucht und die Flugbegleiterinnen sind exotische Schönheiten. Mit einem original ägyptischen roten Bonbon im Mund und in einen Artikel über Alexandria vertieft lässt sich der Flug schließlich ganz wunderbar aushalten.

Cairo Airport ist groß, hell und bis auf ein paar leuchtende Werbetafeln kaum auffallend geschmückt. Bis jetzt wirkt alles noch sehr europäisch, doch als wir endlich einen Fuß auf echten ägyptischen Boden setzen, schlägt uns die Luft wie eine Feuerwand entgegen. Es kommt mir vor wie in der Sauna, ein Gefühl, das mir die auf Hochtouren laufende Kühlung im Bus gleich wieder nimmt und ich kann es kaum Erwarten endlich die wahre Metropole erkunden zu dürfen, Hitze hin oder her.

Der ersehnte Bazarbesuch im Herzen Kairos steht am nächsten Tag an. In unseren Fantasien schwirren Bilder von buntem Schmuck, ausladenden Gewürzständen und fremden Skulpturen. Leider müssen wir knapp zwei Stunden darauf warten, das ganze endlich live zu erleben, da es lange dauert bis sich der Bus durch den Verkehr gedrängt hat. Das Hotel befindet sich zwar in der Hauptstadt, doch die Rushhour scheint 24/7 zu bestehen.
Der Marktbesuch beginnt schließlich in einem der vielen Kaffeehäuser, ein vollgestopfter kleiner Raum mit zwei drei Tischen auf der Straße, an denen ältere Herrschaften Schisha rauchen. Ich bestelle Malventee, ein typisches Getränk, das überall angeboten wird. Es wird aus Hibiskus zubereitet und schmeckt vor allem kalt vorzüglich, aber sehr süß.

Ausgeruht von dem ermüdenden Warten im Stau wagen wir uns in die Menschenmassen, eine Moschee scheint weihnachtlich beleuchtet mit unzählbaren bunten Lichterketten, die den Marktplatz im dunkeln wirkungsvoll mit Neonfarben anstrahlen. Nur wenige Meter weiter in den Gässchen ist es wieder düster, ein Geruch von alltäglicher Arbeit, süßlichem Obst und Müllbergen, auf denen sich Dutzende von Katzen tummeln, weht einem entgegen. Es ist der Kontrast zwischen schreienden Verkäufern, teuren Touristenattraktionen, dem blühenden Leben und dem dunklerem Gesicht einer Stadt, den man nur in solchen Metropolen unmittelbar nebeneinander findet.

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