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Mittwoch, 9. Juni 2010
„Die Zeit fährt Auto, doch kein Mensch kann lenken.“
je ne sais pas, 23:51h
Es war kurz vor halb acht an einem kühlen, düsteren Morgen unbestimmten Monats. Von einem zarten Anflug von Paranoia getrieben, blickte sie über ihre rechte Schulter hinter sich.
Sie hatte sich einmal sagen lassen, dass eine ausgewogene Menge an unausgeprägteren Geisteskrankheiten gesund war. Darüber dachte sie nach, als sie ihren Blick über viele graue Menschen schweifen ließ, sah aber keinen Anzug und Turnschuh tragenden Mann, worüber sie sehr erleichtert war.
Kaum ein Augenblinzeln später drehte sie sich wieder nach vorne und atmete begierig die schwere Luft, die die Raucherecke umnebelte, ein. Mit gerunzelter Stirn und einem schweren Schlucken musste sie sich daraufhin bemühen, nicht mitten auf den Bahnsteig zu kotzen. In ihrem Kopf formten sich Bilder von fetten, grauen Tauben, die an vorgekauten Stückchen im Übergebenen rumpicken und mit einem leisen Lächeln auf den roten Lippen dachte sie sich dazu, dass ein solches Bild in der Kunstszene garantiert gut ankommen würde.
Den Rauch noch in der Nase und die Gedanken schon längst wieder bei der nächst interessanten Sache, stieg sie in die S-Bahn und setzte sich. Das Blau des Sitzes fühlte sich warm an und sie blickte aus dem unbesprühten Fenster direkt auf ein 2 L Eistee Tetrapak, das ihrer Meinung nach ein schwerwiegendes Symbol der heutigen Gesellschaft war. Ihr Herz machte einen kleinen Satz, als sie von dem Eistee inspiriert an Fotos dachte, die vor dem Spiegel gemacht wurden und auf denen man nicht nur den Blitz sieht, sondern auch die Dusche/Vaginalcreme im Hintergrund sowie den unausgesprochen laut geschrieenen Satz „hallo, ich zeige Leuten gerne, dass ich das größte Opfer von allen bin, die ich jemals so bezeichnet habe, weil das ein schlagendes Argument ist, und ein Bild das beweist, dass man Mangel an Freunden, Natürlichkeit und vielseitiger Kreativität hat, finde ich cool, vor allem, weil jeder weiß, dass der erste Eindruck am besten ist, wenn man ihn durch einen durchsichtig blauen Toilettendeckel mit Fischen drauf bestärkt oder seinem asozialen mainstream DSDS Handy, auf dem Hamster Klingeltöne und Bilder von großen Titten sind.“
Hektisch kramte sie in ihrer Tasche, bis sie das zartgrüne Clinique Puderdöschen fand und sich im Spiegel begutachtete. Sie puderte ihr Gesicht ab und warf einen kurzen Blick auf den Mann, der ihr gegenüber an der Tür stand und sie womöglich anguckte. „Leicht schwuchtelig“ dachte sie sich nach intensiven Gedanken über sein Image, das sich von gutaussehend bis Migrationshintergrund bis bildungsferne Schicht bis homo unbestimmten Bildungswesens entwickelte.
Währenddessen liefen Geschäftsfrauen und Bürohengste in seriösen Anzügen an ihr vorbei, hohe Absätze und verboten unansehnliche Schuhe. Wieder schweifte ihr Blick nach draußen in die graue Bahnhofshalle, über den imaginären Rauch der imaginären Lokomotive, durch den sich elegante Menschen mit rollenlosen Koffern drängten, über das leuchtend Rote Schild des verführerischen Cafés mit dem französisch angehauchten Namen, über die Gleise, Bänke, Informationsschilder und Tauben mit schweren Knochen.
Als sie ihre Aufmerksamkeit wieder ihrem Gesicht und der Puderdose widmete, stand er plötzlich vor ihr. Schnell klappte sie die Dose wieder zu und guckte ihn über seine Jeansjacke hinweg mit einem kleinen Lächeln an, um seine Frage entgegenzunehmen.
„Hast du vielleicht Lippenstift für mich?“, fragte er.
Sie hatte sich einmal sagen lassen, dass eine ausgewogene Menge an unausgeprägteren Geisteskrankheiten gesund war. Darüber dachte sie nach, als sie ihren Blick über viele graue Menschen schweifen ließ, sah aber keinen Anzug und Turnschuh tragenden Mann, worüber sie sehr erleichtert war.
Kaum ein Augenblinzeln später drehte sie sich wieder nach vorne und atmete begierig die schwere Luft, die die Raucherecke umnebelte, ein. Mit gerunzelter Stirn und einem schweren Schlucken musste sie sich daraufhin bemühen, nicht mitten auf den Bahnsteig zu kotzen. In ihrem Kopf formten sich Bilder von fetten, grauen Tauben, die an vorgekauten Stückchen im Übergebenen rumpicken und mit einem leisen Lächeln auf den roten Lippen dachte sie sich dazu, dass ein solches Bild in der Kunstszene garantiert gut ankommen würde.
Den Rauch noch in der Nase und die Gedanken schon längst wieder bei der nächst interessanten Sache, stieg sie in die S-Bahn und setzte sich. Das Blau des Sitzes fühlte sich warm an und sie blickte aus dem unbesprühten Fenster direkt auf ein 2 L Eistee Tetrapak, das ihrer Meinung nach ein schwerwiegendes Symbol der heutigen Gesellschaft war. Ihr Herz machte einen kleinen Satz, als sie von dem Eistee inspiriert an Fotos dachte, die vor dem Spiegel gemacht wurden und auf denen man nicht nur den Blitz sieht, sondern auch die Dusche/Vaginalcreme im Hintergrund sowie den unausgesprochen laut geschrieenen Satz „hallo, ich zeige Leuten gerne, dass ich das größte Opfer von allen bin, die ich jemals so bezeichnet habe, weil das ein schlagendes Argument ist, und ein Bild das beweist, dass man Mangel an Freunden, Natürlichkeit und vielseitiger Kreativität hat, finde ich cool, vor allem, weil jeder weiß, dass der erste Eindruck am besten ist, wenn man ihn durch einen durchsichtig blauen Toilettendeckel mit Fischen drauf bestärkt oder seinem asozialen mainstream DSDS Handy, auf dem Hamster Klingeltöne und Bilder von großen Titten sind.“
Hektisch kramte sie in ihrer Tasche, bis sie das zartgrüne Clinique Puderdöschen fand und sich im Spiegel begutachtete. Sie puderte ihr Gesicht ab und warf einen kurzen Blick auf den Mann, der ihr gegenüber an der Tür stand und sie womöglich anguckte. „Leicht schwuchtelig“ dachte sie sich nach intensiven Gedanken über sein Image, das sich von gutaussehend bis Migrationshintergrund bis bildungsferne Schicht bis homo unbestimmten Bildungswesens entwickelte.
Währenddessen liefen Geschäftsfrauen und Bürohengste in seriösen Anzügen an ihr vorbei, hohe Absätze und verboten unansehnliche Schuhe. Wieder schweifte ihr Blick nach draußen in die graue Bahnhofshalle, über den imaginären Rauch der imaginären Lokomotive, durch den sich elegante Menschen mit rollenlosen Koffern drängten, über das leuchtend Rote Schild des verführerischen Cafés mit dem französisch angehauchten Namen, über die Gleise, Bänke, Informationsschilder und Tauben mit schweren Knochen.
Als sie ihre Aufmerksamkeit wieder ihrem Gesicht und der Puderdose widmete, stand er plötzlich vor ihr. Schnell klappte sie die Dose wieder zu und guckte ihn über seine Jeansjacke hinweg mit einem kleinen Lächeln an, um seine Frage entgegenzunehmen.
„Hast du vielleicht Lippenstift für mich?“, fragte er.
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